• Beitrags-Kategorie:ARC / Segeletappen

..und täglich grüßt das Murmeltier. Es sieht draußen genauso aus, wie gestern. Wundersamerweise umgibt uns – wie schon zuvor – der tiefblaue Ozean und tut so, als könne er nichts dafür, dass diese Nacht nicht minder übel war, als die vorherige. Irgendwie scheint es so zu sein, dass der Wind am Abend immer eine Schippe drauf legt und dann das Boot anfängt zu geigen. Also haben wir weiterhin viel zu wenig Schlaf in der Nacht.

Am Mittag haben wir dann nochmals unser Etmal gesteigert. Zu Buche stehen nunmehr 163 Seemeilen in 24h. Das ist schon beeindruckend, was unsere kleine Petoya Too hier draußen so leistet. Ich hatte zwar insgeheim darauf gehofft, dass wir solche Etmale hinbekommen könnten. Aber zwischen Theorie und Praxis klafft auch schon mal eine Lücke. Es sieht für die kommenden Tage auch nicht nach einer signifikanten Änderung der Wetterlage aus. D.h. wir haben permanent zwischen 15 und 22 Knoten Wind (4 bis 6 Bft.).

Hatte ich schon von den fliegenden Fischen berichtet, die uns umgeben? Was, das glaubt ihr nicht? Doch, es gibt sie. Die haben Flügel und können gleiten. Sie werden bis zu 25cm lang und haben ganz filigrane Flügel, ähnlich wie die einer Libelle nur größer. Wenn ein jagender Fisch hinter ihnen her ist, dann schießen sie mit einem Affenzahn aus einer Welle heraus und gleiten auf einer Strecke von fast 100m knapp über die Wellen dahin. Nur großartig ausweichen ist nicht deren Sache. Wenn denn blöderweise ein Schiff im Weg ist, dann klatschen sie gerne auch mal ins Cockpit und dem dösenden Crewmitglied auf die nackten Füße. Das ist eine ecklige Angelegenheit, weil die Viecher ganz schön viele Schuppen haben und im ersten Moment etwas glibberig daher kommen. In unserem Fall hat es sich ein solcher Fisch in einem Versteck an Deck gemütlich gemacht und ich habe ihn erst am Nachmittag entdeckt.

Bei der Durchsicht der Mails der ARC-Regattaleitung haben wir gelesen, dass bei einer Yacht der Mast gebrochen ist. An Bord sind 5 Erwachsene und zwei Kinder. Wie das passiert ist, ist nicht ganz klar. Am Nachmittag kreuzt die französische Yacht „Jayana“ unseren Kurs. Da ich ihr AIS-Signal nicht auf dem Bildschirm sehe, funke ich sie an. Die Yacht ist 16 Stunden nach uns erst in Las Palmas gestartet und sie sind auf dem Weg zur havarierten „Take Off“ um dort ggf. zu helfen. Der Skipper ist mit dem von der entmasteten Yacht befreundet und er will ihm wohl auch noch Diesel zur Verfügung stellen. Soweit bekannt, gab es einen leicht Verletzten an Bord. Es muss wohl vorab Elektronikprobleme gegeben haben. D.h. die Selbststeueranlage ist ausgefallen und es wurde per Hand gesteuert – was bei diesen Bedingungen nicht ganz einfach ist. Dabei scheint es womöglich zu einer unkontrollierten Halse gekommen zu sein, die dazu führte, dass der Mast brach. Die Crew konnte den Mast kappen und will nun unter Motor versuchen, Saint Lucia zu erreichen. Ich wünsche den Beteiligten alles gute und hoffe, sie kommen unbeschadet an.

Wir versuchen es heute wieder mit Angeln aber die Fische zieren sich ein wenig, in den ausgelgten Köder zu beißen. Doch als wir gerade die von Guido in kleine Happen geteilte Mango und eine Tasse Kaffee zur Hand haben, surrt die Angelleine wie verrückt. Ich lasse alles stehen und versuche den offenkundig schwereren Fisch langsam heran zu ziehen. Der wehrt sich nach Kräften und ist so schwer, dass die Angelschnur reißt. Dann war es sicher besser, dass wir ihn nicht einholen konnten. sonst hätten wir vermutlich in den nächsten 5 Tagen nur noch Fisch essen müssen.

Langsam nähern wir uns einer wichtigen Marke: Halfway. Diese könnten wir schon in der Nacht von morgen auf übermorgen passieren. Ab da rutschen wir quasi nur noch den Berg herunter. Ich hoffe, dass das Wetter weiter so stabil bleibt, wie es jetzt ist und wir eine schnelle Passage hinbekommen können. Und dann drückt mal die Daumen, dass der nächste Fisch es wieder in unsere neue Pfanne schafft 😄

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Ruth

    Hallo Thomas
    Wir verfolgen deine Reise mit großem Vergnügen. So wie du schreibst, ist man fast mit an Bord. Deine Etmale sind vom feinsten. Petri Heil fürs Angeln. Weiterhin alles Gute.
    Ruth und Klaus

  2. Daniel Lenz

    Moin Thomas, wunderbar wie du schreibst!!! Es ist so lebhaft und wirklich….als ob man selber im Cockpit neben dem Fliegenden-Fisch sitzen würde. Vielen Dank dafür…..macht Spaß. Euch aber hoffentlich auch LOL 😉 VLG Daniel

  3. Gaby Klasen

    🐬👍🏾

  4. Axel W.

    Nicht ganz wie im Murmeltierfilm – jeder Tag bringt Sie ein Stück näher ans Ziel! Weiterhin eine gute Hand für Schiff, Crew und Kurs!

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